Raus aus dem Lehrerchaos

Be yourself; Everyone else is already taken.

— Oscar Wilde.

Die Herbstferien sind in NRW vorbei und nach einer knappen Schulwoche (inkl. Feiertag) hat mich der Schulfrust wieder. Der unglaubliche Lärmpegel, die ersten ineffizienten (und sinnfreien) Konferenzen und zunehmend gehetzte KollegInnen bestimmen den Alltag. Das soll nun bald nicht mehr so sein!

Das Zitat von Oscar Wilde hat mir wordpress vorgeschlagen und ich finde es eigentlich ganz passend. Schließlich habe ich beschlossen, endgültig aus dem Lehrerdasein auszusteigen und will endlich Verantwortung für mich selbst übernehmen!

Nämlich nicht, indem ich mich beruflich verheize in einem System, das ich nicht mittragen will, sondern indem ich auf meine innere Stimme, meine Gesundheit und meinen gesunden Menschenverstand höre, die sich schon seit Jahren bemerkbar machen wollen, da ich offensichtlich den falschen Weg eingeschlagen habe…Es wird Zeit, endlich ich selbst zu sein.

Wenn du ähnlich denkst (und schließlich liest du gerade mit, deshalb geht es dir vielleicht so wie mir), dann weißt du, dass dies kein leichter Schritt ist, weder persönlich, noch finanziell. Vor allem dann, wenn du eine Familie ernährst.

Deshalb dient dieser Blog u.a. dazu, neben meiner ganz persönlichen Reise Wege aus dem Lehrerberuf zu zeichnen. Denn ich will und kann nicht daran glauben, dass ich mit Ende 30 in einer Laufbahn festhänge, die mich unglücklich macht, mit dem einzigen Ausweg der Frühpensionierung bzw. Dienstunfähigkeit. Das ich da mal landen würde, wenn ich nichts ändere, steht für mich fest.

Wie ich diesen Weg nun gehe, was meine strategischen und notwendigen Schritte hinaus sind, und wie ich mit Kolleginnen, Schulleitung und Klassen umgehe, bis ich die Schultür für immer hinter mit verschließe, dass möchte ich hier mit dir teilen.

Du hast bestimmt genauso viele Fragen wie ich! Folge meinem Blog und meinen Posts, dann wird sich Vieles klären…

Bis dahin und herzlichst

Lehrtrauma

4 Gedanken zu “Der erste Eintrag”

  1. hallo „lehrertrauma“ (oder wie soll ich dich ansprechen?),
    danke für deinen beitrag, der mir zutiefst aus der seele spricht! mir geht es wie dir, nur dass ich zum einen (gefühlt) der dienstunfähigkeit schon um einiges näher bin und zum anderen noch nicht den mut habe, endlich in den sack zuhauen, u. a. auch, weil auch ich noch die alleinige verantwortung für zwei kinder habe. ich freue mich und bin gespannt auf weitere beiträge von dir!
    gruß caroline

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    1. Liebe Caroline,
      danke für deinen Kommentar. Momentan verstecke ich mich noch etwas hinter dem Pseudonym „Lehrtrauma“, da ich meinen Ausstieg in Ruhe vorbereiten möchte und auf keinen Fall mit KollegInnen oder der Schulleitung darüber sprechen möchte, bevor ich bereit bin. Aber ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich hier mit meinem Namen weiterschreiben werde 🙂
      Ich habe ganz lange geglaubt, dass ich mit meinem Unwohlsein als Lehrkraft ganz allein bin – dass alle anderen gut zurecht kommen oder zumindest so viel Zufriedenheit aus der Arbeit als Lehrer ziehen, dass sie gut stressige Zeiten aushalten können. Mittlerweile weiß ich, dass das ganz und gar nicht so ist. Es geht vielen anderen Lehrkräften so wie uns. Die meisten trauen sich nur nicht, darüber zu sprechen oder langfristig etwas zu ändern. Ich wünsche Dir viel Mut und für die Zukunft und ich glaube daran, dass sich mit einer Entscheidung auch neue Türen öffnen werden. Deine Gesundheit zeigt Dir eindeutig, was gut für Dich ist und was nicht. Aber ich verstehe, dass es Dir nicht leicht fällt. Denn so geht es mir auch.

      Herzliche Grüße und alles Gute
      Lehrtrauma

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  2. Wow, mir spricht der Text auch aus der Seele, obwohl ich noch im Referendariat bin. Ich arbeite eigentlich gerne mit Jugendlichen aber auf das ganze Drumherum von Unterrichtsvor- und Nachbereitung und all der Bürokratie und dem Organisatorischen plus ebenfalls das Gefühl, dass die Lehrkräfte verheizt werden… Damit hab ich so nicht gerechnet.
    Wenn ich mich im Kollegium umsehe, dann sehe ich selbst bei den Kollegen Augenringe und lange Gesichter, die immer wieder betonen, dass sie den Job lieben.
    Ich habe nicht die Kraft mir auf Dauer für sowas auch immer noch meine Freizeit um die Ohren zu hauen, um überhaupt alles geregelt zu kriegen.

    Aber die große Frage bleibt – Was wäre eine Alternative???
    Im Gegensatz zu dir möchte ich eigentlich keinen reinen Bürojob machen.
    Wer hätte gedacht, dass das Lehrer- Dasein so abschreckend sein könnte…

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    1. Hallo Auri,
      Danke für deinen Kommentar! Es war auch für mich ein Schock, im Referendariat festzustellen, dass das System um den Job herum die Lehrkraft nicht unterstützt, sondern zusätzlich immense Kräfte zieht. Mit den meisten Tätigkeiten an sich (unterrichten mit Vor- und Nachbereitung, Bürokratie, Beratung, Projekte etc…) habe ich keine Probleme, aber es ist die schiere Masse und all die Dinge, die bei vollem Stundendeputat gefordert werden. Sie sind einfach nicht zu schaffen. Ich habe dann geglaubt, dass es an mir liegt, ich nicht effizient genug bin und lernen muss, dass es normal ist, nicht alle Aufgaben angemessen erledigt zu bekommen, dass es vielleicht an der Referendariatszeit liegt etc.
      Rückblickend kann ich sagen, dass sich das Gefühl und die Situation für mich leider nicht geändert haben. Auch stelle ich fest, dass sich das Problem der Überlastung und zusätzlichen Termine bzw. Aufgaben im Schulbereich in den letzten 7 Jahren noch erheblich gesteigert hat. Ich persönlich habe versucht, dem mit einer Teilzeitstelle und Dienst nach Vorschrift zu begegnen, was mich aber zusätzlich frustriert, da ich ständig mein eigener Anwalt in Sachen Teilzeit bin und überall eigene Regelungen finden muss und diese auch immer wieder durchsetzen muss gegenüber dem restlichen Kollegium und auch der Schulleitung bzw. Planung seitens der Schulleitung. Wirklich eine sehr unglückliche Situation, die mir aber zum Glück eindeutig zeigt, dass ich schon längst hätte gehen sollen…

      Alternativen gibt es zu Hauf, ich habe sie bisher nur überhaupt nicht gesehen, weil ich entweder das Gefühl hatte, ich kann nur unterrichten oder dachte, dass es woanders auch nicht besser ist bzw. es erheblich weniger Geld gibt und ich genauso unglücklich sein werde. Das sind aber nur meine eigenen Ängste und Vorbehalte gewesen, die mich dann daran hinderten, Möglichkeiten wahrzunehmen.
      Seit ich angefangen habe, mich nach Alternative umzusehen, entdecke ich mehr und mehr Alternativen und auch die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen sind da 🙂 Wegen meiner Familie werde ich nichts überstürzen und erst dann wechseln, wenn alle Rahmenbedingungen passen. Aber wenn ich im Referendariat schon so weit gewesen wäre, hätte ich längst Adieu gesagt! Das bereue ich nun…
      Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, wenn du weiter durch meinen Blog stöberst. Es wird demnächst auch einen Eintrag zu Jobalternativen und Möglichkeiten außerhalb des Lehramts geben.

      Herzliche Grüße
      Lehrtrauma

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